Frühstück im Freien.
Was einen guten Schanigarten ausmacht.
Draußen sitzen ist in Wien kein Luxus, sondern eine Grundhaltung. Nur ist nicht jeder Platz an der Sonne auch ein guter.
Sobald es über fünfzehn Grad hat, will in Wien niemand mehr drinnen sitzen. Das ist kein Vorwurf, wir sind genauso. Aber zwischen „ein Tisch steht im Freien" und „hier sitzt man wirklich gern" liegen ein paar Dinge, über die selten jemand redet.
1. Schatten schlägt Sonne
Der häufigste Denkfehler beim Frühstück im Freien: Man sucht sich den sonnigsten Platz und sitzt dann eine Stunde lang blinzelnd vor einem Teller, den man kaum sieht. Um zehn Uhr vormittags im Juli ist Schatten kein Kompromiss, sondern die bessere Wahl. Ein Baum ist dabei jeder Markise überlegen — er kühlt tatsächlich, statt nur zu verdecken.
Bei uns am Yppenplatz stehen alte Bäume. Das war beim Aufsperren kein Argument, ist aber im Nachhinein eines der besten Dinge am Standort.
2. Der Unterschied zwischen Schanigarten und Gastgarten
Weil die Begriffe ständig durcheinandergehen: Ein Gastgarten liegt auf dem eigenen Grund des Lokals — ein Hof, eine Terrasse, ein Garten. Ein Schanigarten steht auf öffentlichem Grund vor der Tür und braucht eine Genehmigung der Stadt, meist saisonal.
Für Gäste macht das praktisch keinen Unterschied, für die Atmosphäre schon: Im Gastgarten sitzt man abgeschirmt, im Schanigarten mittendrin. Wir haben einen Schanigarten, direkt am Platz. Wer Ruhe sucht, ist bei uns falsch. Wer schauen will, richtig.
3. Was draußen anders schmeckt
Warmes Essen kühlt im Freien schneller ab — das klingt banal, entscheidet aber, was man draußen bestellen sollte. Ein Spiegelei mit Bio-Schwarzbrot verträgt zehn Minuten Gespräch. Ein aufwendig angerichtetes Rührei mit Schaum verträgt sie nicht.
Kaffee ist der zweite Punkt: Ein Espresso ist draußen nach vier Minuten kalt. Ein Cappuccino oder ein Verlängerter hält länger. Wir sagen das gern dazu, wenn jemand mit einem doppelten Espresso in die Sonne geht — nicht als Belehrung, sondern weil es schade um den Kaffee wäre.
4. Der Geräuschpegel gehört dazu
Ein Schanigarten an einer Durchzugsstraße ist keiner. Was den Unterschied macht, ist nicht Stille, sondern die Art des Lärms: Marktgeräusche, Gespräche, ein Fahrrad, Kinder — das ist angenehm. Vier Fahrspuren sind es nicht.
Der Yppenplatz ist seit der Sanierung der Brunnengasse autofrei. Was man hört, sind Menschen. Am Samstagvormittag, wenn unten der Brunnenmarkt läuft, ist das ziemlich viel Betrieb — an einem Dienstagvormittag ist es fast still.
5. Hunde, Kinderwägen, Platz
Draußen entscheidet sich, ob ein Lokal wirklich unkompliziert ist. Bei uns sind Hunde willkommen — drinnen wie draußen, Wasser gibt es auf Zuruf. Kinderwägen passen zwischen die Tische, ohne dass jemand aufstehen muss.
Das ist keine besondere Leistung, sondern nur eine Entscheidung: Man kann den Schanigarten so eng stellen, dass zwei Tische mehr hineingehen. Dann sitzt man aber im Nacken des Nachbarn.
Wann man am ehesten einen Platz bekommt
Unter der Woche fast immer, auch spontan. Am Wochenende sind die Außenplätze zwischen zehn und eins die ersten, die weg sind. Wer sicher draußen sitzen will: vor zehn oder nach dreizehn Uhr — und weil es bei uns bis 15 Uhr Frühstück gibt, ist die zweite Variante ohne Verzicht möglich.
Ein Hinweis noch, damit niemand umsonst kommt: Dienstags öffnen wir erst um 16:30 Uhr. An diesem Tag gibt es kein Frühstück, weder drinnen noch draußen.
Draußen, bis 15 Uhr.
Payergasse 12, direkt am Yppenplatz. Hunde willkommen.
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