Grätzl · Wien 16. · 7 Min Lesezeit

Der Yppenplatz.
Wiens lebendigstes Grätzl.

Zwischen Brunnenmarkt, Ottakringer Straße und dem 15. Bezirk liegt der Platz, den wir Zuhause nennen. Ein Insider-Guide.

Von Onur Eyer · 20. Juni 2026

Es gibt Plätze, an denen wohnt man. Und es gibt Plätze, in denen wohnt es. Der Yppenplatz gehört zur zweiten Sorte. Er lebt, er atmet, er hat einen eigenen Rhythmus – und wer ihn einmal versteht, versteht warum wir hier ein Café aufgemacht haben.

Wenn du am Samstagvormittag über den Brunnenmarkt gehst, hörst du Türkisch, Serbisch, Kroatisch, Wienerisch, Hochdeutsch, Englisch, Arabisch, Vietnamesisch, Persisch – alles in fünf Minuten. Du siehst Wiener Omas beim Erdäpfel-Wiegen, arabische Bäcker mit frischen Pide-Broten, Bio-Bauern aus Niederösterreich mit Erdbeeren, die noch nach Erdbeer riechen. Der Platz ist so international, dass er wieder ehrlich wienerisch ist. Kein Klischee, sondern Alltag.

Warum der Yppenplatz?

Der Yppenplatz ist Wiens Wohnzimmer. Kein Touristen-Slalom, keine Insta-Bühne, keine Palatschinken-Bude fürs Ausland – sondern das, was Wien für sich selbst geblieben ist. Ehrlich, gewachsen, mit einem eigenen Rhythmus.

Hier ist alles echt: die Menschen, die Preise, die Gastronomie. Manchmal wird's laut, manchmal wird auf offener Strasse gefeiert, manchmal wird der ganze Platz zur einzigen großen Terrasse. Das ist der Preis von Lebendigkeit. Wir zahlen ihn gerne.

Ein Tag am Yppenplatz – wenn du das erste Mal da bist

9:00 – Frühstück im Café Frida

Klar sagen wir das. Aber wenn du unser Frühstück ausprobierst, weißt du warum. Bio-Eier, Sauerteigbrot, guter Kaffee. Draußen sitzen, den Platz beobachten – ein guter Start.

10:30 – Rundgang Brunnenmarkt

Der Markt zieht sich vom Yppenplatz die Brunnengasse hinunter. Am besten von oben nach unten: Brot bei den arabischen Bäckern, Käse bei einem der wiener Standler, Oliven beim türkischen Feinkost. Von Brunnengasse bis U6 sind es 700 Meter Konzentrat an Aromen.

12:00 – Mittagessen türkisch, jugoslawisch oder wienerisch

Rund um den Yppenplatz gibt es Lokale, die es seit 30 Jahren gibt und die nie verschwinden werden. Nicht wegen Instagram, sondern weil sie eine Community versorgen. Adana Kebap, Ćevapčići, Beuschel: alles zu Preisen, die noch nach Alltag schmecken.

15:00 – Kaffeepause (bei uns)

Cortado und ein Stück Schokokuchen. Kurze Pause. Der Nachmittag am Yppenplatz ist langsamer als der Vormittag. Genau richtig.

17:00 – Feierabend-Bier oder Spritzer

Um den Platz herum leuchten die Lokale, die Klapptischeh auf, die ersten Feierabend-Runden beginnen. Wenn wir es einrichten können, sitzen auch wir kurz mit einem Weißen G'spritzten draußen.

20:00 – Abendessen oder Cocktail bei uns

Burger, Burritos, Signature Cocktails. Musik läuft, aber nicht zu laut. Man versteht sich noch. Bar bis Mitternacht.

Was du am Yppenplatz nicht findest

Große Ketten, Sushi-to-Go-Läden, Hipster-Poke-Bowls, "Handmade Artisan Coffee Shops" mit Preisen wie in Wien-Mitte. Der Yppenplatz ist – so far – gentrifizierungsresistent. Klopf auf Holz.

Er verändert sich, klar. Wir sind selbst Teil dieser Veränderung. Aber die Wiener-Grundsubstanz bleibt: erschwinglich, ehrlich, echt.

Und wie kommst du her?

Am schönsten mit der Straßenbahn 44, die vor der Tür hält. Alternativ mit der U6 (Josefstädter Straße), 8 Minuten Fußweg über den Lerchenfelder Gürtel. Mit dem Rad: Citybike-Station "Brunnenmarkt" 200 m entfernt. Auto: parken geht, ist aber schade – der Yppenplatz ist ein Fußgänger-Grätzl.

Komm einfach vorbei.

Nicht nur wegen uns. Wegen des ganzen Platzes.

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